Beschwichtigungssignale der Hunde

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Beschwichtigungssignale von Hunde werden unter anderen in Stresssituationen von Hunden gezeigt. Da es auch bei unseren Vierbeiner zu Überforderung kommen kann, gerade wenn man mit Ihnen arbeitet, stelle ich hier die wichtigsten Beschwichtigungssignale vor.

Beschwichtigungssignale der Hunde oder im englischen “Calming Signals” sind ein wichtiges Ausdrucksmittel von Hunden. Die norwegische Hundetrainerin Turid Rugaaz erforschte lange das Verhalten von Wölfen. Auffällig war, dass auch unsere Hunde genau die gleichen Signale kennen und verwenden.

Allgemeines:

Die Beschwichtigungssignale der Hunde dienen dazu, aufkommende Aggressionen zu vermeiden, sich selbst oder andere zu beschwichtigen oder zu beruhigen. Da sich ein Hunderudel keinen Streit bzw. keine verletzten Rudelmitglieder leisten kann, sind solche Signale auch äußerst sinnvoll.

Beschwichtigungssignale sollen also Probleme, Ärger und offene Aggressionen stoppen bzw. vermeiden. Ein verletztes Tier kann schließlich das ganze Rudel gefährden.

Um die Beschwichtungssignale besser zu verstehen, hier ein kleines Beispiel:

Zwei Rudelmitglieder haben Ärger. Rudelmitglied A zeigt offene Aggressionen  und Rudelmitglied B beschwichtigt. Was passiert? Rudelmitglied A reagiert natürlich sofort auf die Beschwichtigung! Somit ist Dank der Beschwichtigung kein Ärger entstanden.

Was wäre passiert wenn es diese Signale nicht gäbe? Richtig, Rudelmitglied A hätte weitere Aggressionen gezeigt und hätte seinen Gegenüber höchstwahrscheinlich verletzt. Und genau das kann sich ein Hunderudel nicht leisten.

Die Beschwichtigungssignale haben unsere Hunde von ihren Vorfahren, den Wölfen. Der einzige Unterschied, unsere Vierbeiner besitzen nur noch etwa 30 solcher Signale, wohingegen Wölfe bis zu 60 solcher Signale verwenden können. Dies hängt mit der Domestizierung zusammen. Über die ganzen Jahre sind also die einen oder anderen Signale untergegangen.

Folgende Signale möchte ich näher erklären:

Wenn der Hund blinzelt oder die Augen zusammenkneift:

Die Augen werden zusammengekniffen oder der Hund blinzelt. Meist in Situationen wo der Hund angestarrt wird oder wenn wir unseren Hund zu nahe kommen. Zum Beispiel mit einer Kamera. Einige Hunde wenden gleichzeitig den Kopf ab, blicken nach unten oder bewegen ihre Augen sehr auffällig.

Das direkte ansehen ist bei Hunden mehr als unhöflich. Wir sollten unseren Hund also lieber mit einen sanften Blick ansehen und dafür sorgen, dass er sich nicht unwohl fühlt wenn wir etwas näher an seinem Kopf rangehen.

Wenn der Hund im Bogen geht:

Hunde laufen im Gegensatz zu uns Menschen selten frontal aufeinander zu. Vielmehr laufen sie einen leichten Bogen. Damit wollen sie anderen zeigen das alles in Ordnung ist.

Leider haben Hunde bei dieser Beschwichtigung oft ein Problem. Sie sind angeleint! Dadurch sind sie natürlich in ihrer Bewegung eingeschränkt. Wem wundert es also, wenn unsere Vierbeiner zu  Leinenaggressionen neigen?

Wenn man also das nächste mal mit seinen angeleinten Hund auf einen anderen Hund trifft, kann man ruhig einen kleinen Bogen gehen. Die Hunde werden es uns danken. 😉

Eine Ausnahme gibt es hier natürlich bei sehr guten Hundekumpels. Hier wird nicht immer ein Bogen gelaufen. Manche Hunde zeigen auch vorher schon viele Beschwichtigungssignale, dadurch laufen sie dann keinen Bogen mehr.

Das Beschwichtigungssignal – Gähnen:

Auch das Gähnen ist eine beschwichtigende Geste. Der Hund ist also nicht immer müde oder gelangweilt. Vielmehr setzt der Hund dieses Signal ein, wenn er überdreht oder gestresst ist.

Auch wenn wir Menschen uns vor dem Hund streiten, vielleicht mit dem Kind schimpfen oder aber wenn wir selbst extrem genervt sind, zeigen viele Hunde dieses Signal. Gerade beim Tierarzt sind oft Hunde zu sehen, welche dieses Signal häufig benutzen.

Das tolle an diesem Signal ist, dass wir es selbst anwenden können. Wenn unser Hund also das nächste mal gestresst ist, sollten wir einfach mal gähnen. 😉

sich abwenden (Kopf wegdrehen, Flanke oder Rücken zudrehen):

Wenn der Hund sich bedrängt fühlt oder unsicher ist wendet er sich meist ab. Gerade ältere oder ruhige Hunde zeigen diese Geste, wenn ein etwas aufdringlicher Hund auf sie zugestürmt kommt. Auch wenn wir zu schnell zu unserem Hund hin gehen, kann er dieses Signal zeigen.

Viele Hundebesitzer verstehen das nicht und fühlen sich beleidigt. Aber keinen Grund zur Unruhe. Der Hund will damit einfach nur mitteilen das er sich in der jetzigen Situation nicht ganz wohl fühlt.

Das Beschwichtigungssignal – verlangsamte Bewegungen:

Wenn unser Hund mit einmal langsamer geht oder irgendwelche Übungen langsamer als sonst ausführt ist auch das eine beschwichtigende Geste.

Die meisten Hundebesitzer werden dann gleich noch hektischer und vielleicht sogar laut. Das Ergebnis, der Hund wird noch langsamer. Woran liegt das? Hier sollten wir uns selbst beobachten. Vielleicht haben wir unseren Hund mit einen aggressiven Ton gerufen? Vielleicht haben wir es eilig und unsere Angespanntheit ist deutlich zu merken? Beugen wir uns vielleicht zu sehr nach vorne beim heran rufen und wirken somit bedrohlich?

Selbst wenn wir mit unseren Hund spazieren gehen und irgendwo kommt etwas, was in den Augen des Hundes zu beschwichtigen ist, kann er langsamer werden.

Bevor wir also unseren Hund hinter uns herziehen, sollten wir erstmal prüfen ob er von weiten vielleicht irgendetwas gesehen hat.

Das Beschwichtigungssignal – über den Fang lecken:

Bei dieser Geste leckt sich der Hund in Sekundenschnelle über den Fang. Vergleichbar damit, was wir machen, wenn unsere Lippen trocken sind. Diese Geste beobachtet man oft wenn sich zwei Hunde treffen oder wenn wir uns über unseren Hund beugen.

Das über den Fang lecken ist also wieder ein Signal, welches wir ruhig selbst anwenden sollten.

Das berühmte Schwanzwedeln:

Das bekannte Schwanzwedeln. Leider denken noch viele Leute, das der Hund sich freut wenn er mit seinem Schwanz wedelt. Doch da irren sie. Das Schwanzwedeln ist einfach ein Zeichen dafür, dass der Hund erregt ist. Das kann positiv aber auch negativ sein.

Schwanzwedeln kann aber auch als Beschwichtigungssignal eingesetzt werden. Oftmals senkt der Hund dabei noch leicht seinen Blick oder aber dreht den Kopf weg. Das wedeln kann also durchaus als eine “weiße Fahne” verstanden werden. Der Hund bittet um Verschonung.

Wenn der Hund sich plötzlich hinlegt:

Diese Geste hat eine stark beschwichtigende Wirkung. Es wird im Spiel verwendet, bei Begegnungen mit Artgenossen um den gegenüber zu beruhigen oder aber vom Rudelführer um Ruhe im Rudel zu bringen. Wenn ein Hund extrem hektisch ist oder nicht zur Ruhe kommen will kann man diese Geste selbst anwenden. Man braucht sich dazu nur auf die Couch legen, man kann in Ruhe ein Buch lesen o. ä. .

Vorsicht! Dieses Beschwichtigungssignal sollte man nicht mit der Unterwerfungsgeste verwechseln. Bei einer Unterwerfungsgeste liegt der Hund auf dem Rücken. Bei dem Beschwichtigungssignal liegt der Hund ganz normal mit seinem Bauch auf dem Boden.

auch am Boden schnüffeln ist ein Beschwichtigungssignal:

Auch diese Geste wird leider oft missverstanden. Man ruft seinen Hund und dieser schnuppert seelenruhig weiter. Viele denken, der Hund hört mit Absicht nicht, ist dominant und versucht die Herrschaft an sich zu reißen. Doch in Wirklichkeit ist dieses am Boden schnüffeln in den meisten Fällen reine Beschwichtigung.

Wenn man genau hinsieht kann man manchmal sogar erkennen, dass der Hund zwar schnüffelt er aber mit seinen Augen das Umfeld beobachtet. Vielleicht war unser Tonfall nicht in Ordnung? Vielleicht haben wir auch etwas gemacht womit wir unseren Hund irritiert haben. Wir sollten immer die Gesamtsituation betrachten bevor wir urteilen.

das Splitten / dazwischen gehen:

Gerade das Splitten wird sehr oft missverstanden. Wenn ein Hund sich z. B. zwischen zwei Menschen drängelt, wird oft von Eifersucht ausgegangen. Das ist aber nur in den seltensten Fällen so.

Meistens versucht der Hund die körperliche Nähe einfach nur zu unterbinden bevor aus der zu großen Nähe ein Konflikt entsteht.

Beobachten kann man so etwas besonders gut, wenn zwei Hunde miteinander spielen und ein dritter Hund dazu kommt. Wird ein Spiel zwischen zwei Hunde ein bisschen zu wild, versucht der dritte Hund diese zu trennen indem er von der Seite oder von hinten kommt.

Das Splitten ist wieder ein Beschwichtigungssignal welches wir uns zunutze machen können. Wenn unser Hund z. B. irgendetwas anbellt, stellen wir uns einfach zwischen ihm und das Objekt welches er anbellt. In den meisten Fällen wir unser Hund uns dann gleich ansehen und sich beruhigen.

wenn der Hund plötzlich erstarrt und wie eingefroren wirkt:

Diese Geste ist oft unter fremden Hunden zu beobachten. Wenn sich z. B. zwei sich nicht bekannte Hunde nähern, bleiben sie oft stehen und wirken wie eingefroren. Auch das soll einen beschwichtigen Effekt haben. Einer von beiden wird dann in den meisten Fällen woanders lang gehen und sich entfernen.

Diese Geste zeigt mein Hund auch, wenn ein etwas wilderer oder jüngere Hund zu schnell auf ihn zu rennt. Er bleibt dann einfach stehen und wendet sein Kopf ab. In den meisten Fällen schnuppert der andere Hund dann nur vorsichtig und geht dann einfach weiter. Diese Geste hat in meinen Augen also eine ziemlich starke Wirkung.

Wenn unser Hund einmal aufgedreht ist, können wir ebenfalls stocksteif stehen bleiben.

Zusammenfassung:

  • Beschwichtigungssignale wurden erstmals bei Wölfen erforscht
  • unsere Hunde haben einige dieser Signale behalten
  • diese Signale dienen dazu aufkommende Aggression zu vermeiden
  • wir sollten immer erst die Gesamtsituation betrachten bevor wir urteilen
  • wir sollten uns selbst beobachten, vielleicht waren wir zu streng oder unsere Stimmlage hat den Hund verunsichert
  • Beschwichtigungssignale können von uns Menschen angewendet werden
  • die häufigsten Signale sind:
    • über den Fang lecken
    • im Bogen gehen
    • Augen zusammenkneifen / blinzeln
    • Gähnen
    • sich abwenden

Wichtig zu wissen:

Nicht alle Hunde zeigen die gleichen Beschwichtungssignale. Jeder Hund hat seine bevorzugten Signale. Der eine Hund leckt sich über den Fang während der andere in genau der gleichen Situation anfängt zu gähnen.

Wir sollten jetzt nicht anfangen jedes kleine Augenzwinkern zu beurteilen. Wichtig ist das wir immer das Gesamtbild vom Hund betrachten.

Es gibt noch weitere Beschwichtigungssignale, hier sollten nur die häufigsten aufgeführt werden.

Beschwichtigungssignale der Hunde

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